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Wofür Hashtags gut sind

tl;dr: Das Hashtag ist eine Möglichkeit, Informationen im Internet – und da vor allem in den sozialen Netzwerken Twitter und Instagram – zu kategorisieren und somit unabhängig von der Autor*in für andere auffindbar zu machen. Hashtags haben das Potenzial, dezentrale Communities innerhalb des SocialWebs entstehen zu lassen.

Hashtag als Schlagwort

Hashtag kommt aus dem englischen hash für Doppelkreuz und tag für Schlagwort. Es ist eine Zeichenkette, die als Schlagwort gilt und mit einem # als Erkennungszeichen beginnt. Das Hashtag kann dabei sowohl im Fließtext als auch abschließend oder voranstehend genutzt werden. Die so markierten Wörter machen den Inhalt eines Postings über die eigenen Kommunikationskanäle hinweg auffindbar.

Ein Beispiel dafür. Am 9. August 2019 twittert der Account @SectaPodcast folgendes:

„Heute vor 50 Jahren spielten sich die grausamen Szenen im Mordfall #SharonTate ab. #CharlesManson wurde dafür zum Tode verurteilt. In Secta Folge 8 habe ich mich ausführlich mit der #MansonFamily beschäftigt: Warum hat die #Sekte gemordet?“ und verweist mit einem Link auf die entsprechende Podcast Folge.

Die genutzten Hashtags #SharonTate, #CharlesManson, und #MansonFamily werden im Zuge des 50. Jahrestag des Mordes sehr wahrscheinlich auch in anderen Medien genutzt. Interessierte Nutzer*innen haben so die Möglichkeit, allein über die Hashtags die Podcast-Folge zu finden, ohne vorher den Podcast secta gekannt zu haben.

Hashtags sind bei Twitter und Instagram zu Hause

Der Hashtag in der heutigen Verwendung auf Twitter geht auf einen Tweet von Chris Messina vom 23. August 2007 (knapp ein Jahr nach der Gründung von Twitter) zurück. Messina schlug vor, #(gruppenname) in den Tweets zu nutzen, um Gruppenchats zu eröffnen. So können sich Menschen unter bspw. #vegan über vegane Ernährung austauschen. Diese Art der Markierung verbreitete sich so sehr, dass Twitter anfingm diese auf eine Übersicht mit allen Tweets des Hashtags zu verlinken.

Grob gesprochen lässt sich sagen: Je häufiger ein Hashtag genutzt wird, desto mehr Menschen unterhalten sich gerade über dieses Thema. Twitter fasst die häufigsten Hashtags unter den „Trending Topics“ zusammen.

Obwohl seitdem alle möglichen sozialen Netzwerke ihre Plattformen mit Hashtags und entsprechender Suchmaschinen ausgestattet haben, ist eine relevante Nutzung nur bei Instagram und Twitter zu beobachten.

Die Art und Weise, wie Hashtags auf den Portalen genutzt werden, hängt stark mit der etablierten Nutzung des jeweiligen Netzwerkes zusammen.

Twitter diskutiert

Twitter ist im Allgemeinen ein sehr diskussionsfreudiges Netzwerk. Hashtags stehen in diesem Kontext oft für eine geführte Debatte. Dabei wird dieser meist im Initialtweet geprägt und dann von den weiteren Diskutant*innen aufgegriffen.

Hashtags können politisch und Aktuell sein.

Ein Beispiel dafür ist der #Aufschrei von Anne Wizorek. Dieser wurde am 25. Januar 2013 als Reaktion auf die Sexismus Vorwürfe von Laura Himmelreich gegenüber dem Politiker Rainer Brüdele etabliert und dient als Identifikationszeichen für ähnliche Erlebnisse.

Tweet von anne wizorek / @marthadear / Link zum Original Tweet
„[…] wir sollten diese erfahrungen unter einem hashtag sammeln. ich schlage #aufschrei vor.“

In Folge dessen sammelten sich unter diesem Hashtag eine Menge weiterer Erfahrungen mit Übergriffigkeiten, die die Debatte über Sexismus in der Gesellschaft flankierten. Nach Meinung des Grimme-Instituts hat bis dato noch keine in den digitalen Medien angestoßene Diskussion ein so breites Echo in traditionellen Medien und Politik gefunden. Dies honorierte das Institut am 21. Juni 2013 mit der Verleihung des Grimme Online Award.

Hashtags als adhoc Chatraum

Ein anderes Beispiel für regelmäßige Diskussionen auf Twitter bilden Hashtags, die adhoc Chaträume/Diskussionen eröffnen. Hierbei gibt es zumeist eine feste Zeit, in der eine neue Diskussionsfrage gestellt wird. Durch Antworten und Retweets entstehen mehrere Tweet-Ketten mit Diskussionsbeiträgen.

Ein Beispiel dafür ist #relichat. Unter diesem Hashtag wird jeden Mittwoch um 20 Uhr ein „relevante[s] Them[a] des katholischen und evangelischen Religionsunterrichts“ diskutiert. Die Diskussion geht bis 21 Uhr. Anschließend wird die Diskussion im Blog zusammengefasst.

Durch die dezentrale Struktur und niedrige Einstiegshürde kann jede*r, der*die dieses Thema interessiert oder selbst in diesem Thema (z.B. als Religionslehrer*in) aktiv ist, sich mit seiner Expertise an der Diskussion beteiligen.

Instagram vernetzt

Instagram ist von seinem Wesen her weniger eine Diskussionsplattform. Hashtags sind hier vor allem die Verbindung von gemeinsamen Interessen. So finden sich (z. B.) unter dem #zerowaste Beiträge rund um das Thema Müllvermeidung. Der Hashtag #momprenuerlife zeigt Einblicke aus dem Leben von Müttern, die gleichzeitig Gründerinnen sind. Im kirchlichen Kontext ist vor allem das Hashtag #wasvikarInnensomachen, welches Einblick in die Arbeit und das Leben von Vikar*innen gibt, sehr verbreitet.

Ein anderes Beispiel für Communitybuilding durch Hashtags auf Instagram sind Challanges (Herausforderungen). Diese werden von einem Account aus gestartet. Teilnehmer*innen an der Herausforderung posten auf ihrem Account und verlinken mit dem jeweiligen Hashtag. Beispiele dafür sind zum Beispiel der #bibelteilen, unter dem jede Woche ein anderes Kapitel der Bibel mit 2 Gedanken zum Text gepostet wird. Oder der von Jake Parker initiierte #inktober: Jeden Tag im Oktober gibt es etwas zu zeichnen und diverse Illustrator*innen zeichnen und posten das Ergebnis mit dem #inktober auf ihrem Account.

Hastags können auf Instagram – genau wie Accounts – abonniert werden. Dadurch werden neue Beiträge im normalen Feed angezeigt.

Know your hashtags

Ob zum Aufbau einer Community, zur Diskussion über relevante Themen oder zum Erreichen neuer Zielgruppen: Hashtags verstehen und Nutzen ist essenziell für die Social-Media-Arbeit auf Twitter und Instagram.

Tobias Sauer

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