yeet, BASIS:KIRCHE, ruach.jetzt – Welche christlichen Content-Netzwerke es gibt und wozu sie gut sind

Content-Netzwerk – ein Wort, mit dem man innerhalb der Kirche lange wohl eher wenig anzufangen wusste. Doch funk, das gemeinsame Content-Netzwerk von ARD und ZDF, kennt inzwischen jede:r, vielleicht auch noch PULS, das Content-Netzwerk des Bayerischen Rundfunks. Und nach der Kritik am YouTube-Kanal “Jana glaubt” wurde auch innerhalb der evangelischen Kirche um eine neue Medienstrategie gerungen. Bunter sollte es werden und diverser. Die Idee: Ein Netzwerk mit unterschiedlichen Creator:innen. yeet wurde geboren. Aber yeet ist nicht das einzige christliche Content-Netzwerk im deutschsprachigen Raum – und auch nicht das erste.

Die drei größten Netzwerke – yeet, die BASIS:KIRCHE und das ruach.jetzt-Netzwerk – stellen wir Dir in diesem Artikel vor.

yeet

yeet ist sozusagen das evangelische funk. Aber nur sozusagen – warum, erklärt Lilith Becker, die Projektleiterin von yeet, im Windhauch-Podcast.

Man kann sagen, dass yeet das offizielle Content-Netzwerk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Zwar ist es im GEP angesiedelt, dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, aber das stört keinen großen Geist. Denn das GEP wiederum ist ein Medienunternehmen der EKD.

Wie auch immer. yeet ist also das evangelische Content-Netzwerk, das christliche Inhalte für Menschen zwischen 14 und 39 Jahren produziert. Gelauncht wurde es 2020. Dabei ist es v.a. für die Vernetzung und Unterstützung der Creator:innen zuständig. Die arbeiten nämlich in der Regel ehrenamtlich oder haben z.B. einen Teil ihrer Pfarrstelle für die Arbeit in den Sozialen Medien zur Verfügung gestellt bekommen. Ein Großteil der Creator:innen sind Sinnfluencer:innen auf Instagram. Aber auch YouTube-Projekte oder Podcasts sind dabei. Der Schwerpunkt von yeet liegt auf Social Media.

Auf yeet.de kannst Du stöbern, wer alles zu yeet gehört.

Das Wort “yeet” kommt übrigens aus dem Amerikanischen und ist ein freudvolles Geräusch, ein verlängertes “YES!”, ein etwas anderes “Amen”, erklärt Lilith im Windhauch-Podcast.

Neben yeet haben sich aber noch weitere christliche Content-Netzwerke etabliert.

BASIS:KIRCHE

Die BASIS:KIRCHE ist eigentlich ein YouTube-Kanal. Sie wurde Anfang 2022 gelauncht und ist ein Projekt des Evangelischen Kirchenfunks Niedersachen-Bremen (ekn), welcher auch den Kanal “Anders Amen” betreut.

YouTube-Channel also, aber warum Netzwerk? Die BASIS:KIRCHE versammelt rund 30 Creator:innen aus norddeutschen Gefilden auf einem Kanal. Die Idee: eine junge Gemeinschaft in einem virtuellen Kirchenraum. Die BASIS:KIRCHE bespielt also ein Netzwerk über einen einzigen Kanal. Zu Beginn gab es ein buntes Potpourri für Leib und Seele – von Yoga über kurze und bunte Segensvideos und Gebete bis hin zu Reportagen und Studiotalks. Inzwischen liegt der Schwerpunkt des Kanals auf den Reportagen. Immer im Hinter- oder Vordergrund steht dabei die Frage nach Sinn und Spiritualität.

Die BASIS:KIRCHE wird mitgetragen von den lutherischen Landeskirchen Hannover, Braunschweig, Oldenburg, Bremen und Schaumburg-Lippe, der Evangelisch-reformierten Kirche sowie der SELK und dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden. Sie ist also gemischt-evangelisch und institutionell angebunden.

Im Windhauch-Podcast hat Tobias mit Lukas Schienke, dem Redaktionsleiter und stellvertretenden Chefredakteur des ekn, über die BASIS:KIRCHE, Anders Amen und Pull- und Push-Kommunikation gesprochen.

Hier geht’s zum Kanal der BASIS:KIRCHE.

ruach.jetzt

Und, last but not least: ruach.jetzt. ruach.jetzt ist das erste (und bisher einzige) ökumenische Content-Netzwerk. Es wurde von Tobias Sauer bereits 2014 gegründet (also vor funk!) und ist damit der Silberrücken unter den christlichen Content-Netzwerken. Das Besondere: Das ruach.jetzt-Netzwerk ist unabhängig und nicht institutionell gebunden. Denn ruach.jetzt ist ein selbständiges Medien- und Kommunikationsunternehmen mit einem Schwerpunkt auf Verlagswesen. Die Creator:innen werden unterstützt mit Beratung, Equipment und Infrastruktur.

Auch im ruach.jetzt-Netzwerk tummeln sich einige Sinnfluencer:innen. Aber stärker als bei yeet liegt hier nicht der Schwerpunkt. Ruach versammelt viele unterschiedliche Projekte wie “Mein Gott* diskriminiert nicht”, “nervmichnichtmitfakten”, “baroqueblockbuster” oder “Was zur Hölle?! Theologie kompakt erklärt” genauso wie unterschiedlichste Podcasts, Spoken Word Artists oder Autor:innen. ruach geht es nicht nur um digitale Kommunikation in den sozialen Medien, sondern um moderne Kirchenentwicklung. Glaubenskommunikation kann auch im Analogen innovativ sein, genauso wie im Digitalen altbacken.

Durch den noch recht jungen ruach.jetzt-Verlag werden digitale und analoge Kommunikation noch enger miteinander verschmolzen. Gemeinsam werden hier aus dem Netzwerk heraus innovative Produkte moderner Glaubenskommunikation entwickelt und im eigenen Store vertrieben.

Wer alles im ruach.jetzt-Netzwerk dabei ist, erfährst Du hier.

Neben yeet, BASIS:KIRCHE und ruach.jetzt gibt es übrigens noch das herz.netz.werk und das jeda-Netzwerk. Beide sind derzeit jedoch nicht aktiv.

Warum Netzwerke?

Aber wozu eigentlich Netzwerke? Was können sie und was nicht?

Zunächst einmal: Netzwerk schlägt Hierarchie. Ein Grundgedanke von Netzwerken ist, nicht von einer Spitze her zu kommunizieren, sondern Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ein Netzwerk liefert keine für alle gültigen Antworten, sondern ein Bild mit vielfältigen Stimmen. Es geht bei christlichen Netzwerken nicht darum, dass Kirche sagt, was richtig ist, sondern um die Unterstützung von verschiedensten Persönlichkeiten, die alle ihre ganz individuellen Glaubenserfahrungen teilen. Die Creator:innen sind keine Multiplikator:innen einer einheitlichen Botschaft, sondern radikal subjektiv, individuell, mit je eigener Prägung und Spiritualität. Es ist nicht die Kirche, die einzelne Personen einsetzt oder groß macht, sondern die Personen sind zuerst da mit dem, was sie zu sagen haben.

Was ein Netzwerk leisten kann, ist, eine Infrastruktur zu bieten, die Mitglieder zu unterstützen mit Beratung, Equipment, Rückenwind. Sie miteinander in Kontakt zu bringen. Ressourcen zu bündeln und Synergien zu erzeugen. Gemeinschaft zu bauen.

Dabei muss ein Netzwerk wählerisch sein, um auch nach außen einen Mehrwert zu bieten. Bei der Content-Flut, die uns umgibt, wird redaktionelle Auswahl immer wichtiger im Sinne der Aufmerksamkeitsökonomie. Jedes Netzwerk legt dabei seine eigenen Kriterien fest und setzt eigene Schwerpunkte.

Und am Ende gilt für Netzwerke das Gleiche wie für einen Instagram-Account: Jede:r kann eins gründen mit den Schwerpunkten, die man für wichtig hält. Das Wichtigste, was es dafür braucht, ist Kontinuität und einen langen Atem.

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